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Der Rückruf

Aktualisiert: 30. Apr.

Ich rufe und mein Hund kommt.

...so wünscht Du Dir das? Gut geplantes Training macht's möglich.

Was allerdings bedeutet das genau? Und warum gestaltet sich das zurückkommen immer wieder so schwierig im Alltag?



Der Rückruf ist eins der wichtigsten Signale im Zusammenleben mit Deinem Hund.

Wenn Du Deinen Hund rufst und er zuverlässig zurückkommt, gibt Dir das ein sicheres Gefühl. Es wird mehr Situationen geben, in denen Du handlungsfähig bleibst und somit weniger gestresst bist. Diese Ruhe wirkt sich ebenso positiv auf Deinen Hund und die gemeinsame Zeit draußen aus.

Wenn Dein Hund zuverlässig zurückkommt, kann er mehr Freiheiten genießen. Du wirst ihm vermutlich einen größeren Radius ermöglichen, wodurch er mehr Erkundungsverhalten im eigenen Tempo zeigen und seinen Hobbys nachgehen kann.

 

Die Umwelt ist attraktiv! Alle Sinne Deines Hundes sind aktiv und bekommen Input. Vieles was unser Hund wahrnimmt, liegt außerhalb unserer Aufnahmefähigkeit.

Du möchtest, dass Dein Hund kommt, wenn Du ihn rufst. Dein Hund aber wittert vielleicht gerade potenzielle Beute und ist motiviert dieser Spur nachzugehen. Ein Keks, ein Lob oder gar zu denken, dass Dein Hund zurückkommen muss, weil er Dich so gernhat, wird sehr wahrscheinlich nicht den nötigen Anreiz bieten, um auf das attraktive Angebot der Umwelt zu verzichten.


Hund Umwelt und Motivation

Damit Dein Hund in unterschiedlichen sowie schwierigen Situationen gerne zu Dir zurückkommt, ist die Wahl der Belohnung bedeutsam.

Die Top20 Liste visualisiert was Dein Hund mag. Es lohnt sich zu schauen, welche Hobbies Dein Hund je nach Ort und Situation bevorzugt ausübt (zu Hause wird Dein Hund vielleicht sehr gerne von Dir gestreichelt, draußen hingegen buddelt oder hetzt er gerne etwas).

 

Bevor Du mit dem Training startest:

 

  •      Wähle unterschiedliche Belohnungen (Spielzeug, Futter, Rennspiel mit Dir, ...)

  •      Starte an einem für Euch gewohnten und sicheren Ort (zu Hause, Garten, ...)

  •      Wähle Euer zukünftiges Rückrufsignal aus (Wort, Pfeife, ...)

  •      Clicker/Markerwort

 

Je besser die Belohnung seiner Motivation entspricht, desto größer ist die Chance, dass er kommt. Daher lohnt es sich von Beginn an das Signal mit unterschiedlichen Belohnungen zu verknüpfen - damit eine Belohnungshistorie entsteht, die unterschiedliche Bedürfnisse mit einbezieht.

 

Vielleicht hast Du Dich schon dabei ertappt, wie Du Signale mehrfach gibst? So entwertest Du Signale und sie verlieren an Bedeutung für Deinen Hund. Das Gegenteil wollen wir aber!


Schauen wir uns die Verhaltenskette an, die unser Hund für den Rückruf leistet:


-        Abwenden von Attraktion/Auslöser

-        Orientierung zu Dir

-        Umdrehen zu Dir

-        an sämtlichen Interessanten Dingen vorbeirennen

-        bei Dir ankommen


Das ist viel Verhalten!

 

Der doppelte Rückruf unterstützt in schwierigen Situationen einfach doppelt!


Zwei Signale = Zwei Mal Belohnungshistorie


Das Teilen der Verhaltenskette in zwei Teile macht den Rückruf nicht bloß stärker. Es ermöglicht dem Hund mehr Freiheit, da er nicht sofort zu uns kommen muss. In einigen Situationen reicht eine Umorientierung aus um mit dem Hund in Verbindung zu kommen.  


1.      Umorientierungssignal

2.      Ankersignal

 

Das Umorientierungssignal bringt Deinen Hund in die Aufmerksamkeitsteilung und Kooperation mit Dir. Es lohnt sich für ihn hinzuhören. Es folgt das Ankersignal und Dein Hund kommt geflitzt. Der Anker begleitet Deinen Hund bis zu Dir - es ist konkret damit verknüpft auf Dich zuzurennen, und wird ausschließlich mit den Highlightbelohnungen abgeschlossen.



 

Los geht’s mit dem Aufbau Eures Rückrufs!

 

  1. Umorientierungssignal

 

  •     Wortsignal / Pfeife ertönt

  •     Belohnung anbieten

 

  •     3 – 4 Wiederholungen

 

Dein Hund muss an dieser Stelle noch gar nichts! Du darfst Dich rein auf die Verknüpfung wie beschrieben konzentrieren, ohne auf Verhalten Deines Hundes achten zu müssen. Das Signal gewinnt nun an Bedeutung und Attraktivität für Deinen Hund.

Nach wenigen Malen wirst Du feststellen, dass Dein Hund darauf mit einer Reaktion/Umorientierung reagiert. Gut gemacht, die Verknüpfung ist geglückt.

Übe gerne weiter an unterschiedlichen Orten; binde es in Euren Alltag ein.  

 

Dein Hund reagiert regelmäßig mit einer Orientierung zu Dir? Dann nutze das Markersignal, um das gewünschte Verhalten deutlich zu machen.

 

  •    Wortsignal / Pfeife ertönt

  •    Dein Hund zeigt Orientierungsreaktion (Ohren zu Dir, Körperschwerpunkt wird verlagert, Kopf wird umgedreht, ...)

  •    Markersignal

  •   Belohnung anbieten (belohne vielfältig)

 

 

Binde diese Übung in Eure Spaziergänge ein, 2 – 3 Wiederholungen genügen.

 

Unabhängig vom Umorientierungssignal, kannst Du das Ankersignal mit einbeziehen.

Du brauchst eine Pfeife oder ein Wort. Der Pfiff/das Wort unterstützt Deinen Hund den gesamten Weg bis zu Dir. Daher sollte es gut über die Lippen gehen. Geeignet sind Silben wie z. B. „tak, tak, tak, tak“, „go, go, go, go“, etc.)

 

2. Ankersignals

 

  •     nutze den Moment, indem Dein Hund sowieso zu Dir kommt/rennt

  •    Beginne mit dem Ankersignal (Pfeife, Wort, ...)

  • Ankersignal begleitet Deinen Hund bis zu Dir (Pfiff – Pfiff – Pfiff..., Wort, Wort, Wort...)

  •     Dein Hund ist bei Dir angekommen

  •     Markersignal

  •     Belohnung (absolute Highlightbelohnungen!)

 

Während Eurer Spaziergänge kannst Du 1 – 3 x das Zurückkommen zu Dir nutzen, um das Signal mit verschiedenen hochwertigen Belohnungen zu verknüpfen.

 



Mit einem sicheren Rückruf ermöglichst Du Deinem Hund mehr hündisches Verhalten auszuleben und sich ein wenig freier zu fühlen. Dies wirkt sich positiv auf sein Wohlbefinden aus. Und was gibt es schöneres, als das Gefühl, wenn Du Deinen Hund rufst und er freudig zu Dir geflitzt kommt :).

 

Viel Freude bei der Umsestzung. Habt Spaß mit jeder Belohnung. Feiert gemeinsame Erfolge.

 


 

Petra Zivnicek . Hundetrainerin . Hundepsychologin

 

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